Respektvolles Miteinander durch gewaltfreie KommunikationKommentare: 0
Ein Beitrag von: Junia Hergarten • Erschienen am: 24.03.2014

Kommunikation ist eine der Hauptaufgaben eines Lehrers. Jeden Tag tritt er in Interaktion mit den unterschiedlichsten Menschen: Schüler, Eltern und Kollegen. Das ist eine große Herausforderung. Wie Kommunikation gelingen kann - privat und im Beruf - erklärt die Sozialpädagogin Petra Jaeger im Interview mit Wunschberuf-Lehrer.

 

Was genau kann man unter gewaltfreier Kommunikation verstehen?

Gewaltfreie Kommunikation (Anm. d. Red.: kurz GFK) ist eine Methode, die dazu verhilft, Konflikte friedlich zu lösen. Darüber hinaus ist die sie ein Weg zu einem tiefer gehenden gegenseitigen Verständnis, was wiederum zu echter Gemeinschaft zwischen Menschen führt, in der alle zum gegenseitigen Wachsen und Entfalten aller beitragen. Die Methode basiert auf der Grundannahme, dass alle Menschen in ihrem Tun durch ein Streben nach Erfüllung von Bedürfnissen motiviert sind. Solche Bedürfnisse sind zum einen materieller Art. Dazu gehören zum Beispiel Nahrung, Kleidung, Wärme, etc. Zum anderen sind sie nicht materieller Art. Zu letzterem gehören Liebe, Gemeinschaft, Verbundenheit, Schönheit, aber auch Feiern und Ähnliches. Diese Bedürfnisse verbinden uns Menschen miteinander. Sind die Bedürfnisse gut genährt, empfindet der Mensch Gefühle wie Freude, Euphorie, Leichtigkeit, etc. Sind Bedürfnisse nicht erfüllt, verspüren wir Trauer, Wut, Angst, Ratlosigkeit, und Ähnliches. Die Gefühle haben also eine Art Ampelfunktion. Konflikte zwischen Menschen entstehen dann, wenn wesentliche Bedürfnisse von meinem Gegenüber nicht erfüllt werden. Sobald ich "negative" Gefühle spüre, kann ich mit Hilfe der GFK mir selber und meinem Gegenüber klar machen, was in mir und zwischen uns los ist. Die vier Schritte dieser Methode sind erstens: Beobachtung schildern, zweitens: Die Gefühle formulieren, drittens: Mein Bedürfnis mitteilen und vierten eine Bitte aussprechen. Das bedeutet: Ich beobachte eine bestimmte Situation und versuche, dies wertfrei zu tun. Ich nehme die Gefühle wahr, die in mir wach werden. Ich benenne mein Bedürfnis, das durch das Geschehen berührt wird. Und ich äußere eine Bitte, die sich auf das konkrete Handeln, das ich mir von meinem Gegenüber erhoffe, bezieht. Mit Hilfe dieser vier Schritte ist es in jedem zwischenmenschlichen Kontakt möglich, zu klären, was ich brauche und was mein Gegenüber braucht, damit es uns in unserem Zusammensein gut geht. Diese Methode ist einfach und klar und absolut jederzeit und überall anwendbar. Übrigens auch für jeden einzelnen mit sich selbst, sofern er/sie in sich irgendeine Art von Unbehagen spürt. Ich kann jederzeit innerlich diese Schritte gehen, um mir selber klar zu werden, was ich jetzt brauche, um wieder in innere Ausgeglichenheit zu kommen- und damit auch für meine Mitmenschen eine verträgliche Person zu sein.

 

Was ist das Positive an der Idee der GFK?

Für mich ist das Überzeugende, dass der GFK ein absolut positives Menschenbild zugrunde liegt, das ich gerne teile. Wenn ich davon ausgehe, dass wir alle im Grunde gerne dazu beitragen wollen, dass es jedem einzelnen und uns miteinander als Gemeinschaft gut geht, dann befreit mich das dazu, meine Mitmenschen in einem anderen Licht zu sehen und mich ihm verbunden zu fühlen. Ich erkenne sein Verhalten als Ausdruck seines Strebens nach Erfüllung eines Bedürfnisses - und nicht als etwas, was möglicherweise gegen mich gerichtet ist. Diese Haltung und die damit verbundene Grundannahmen provozieren oftmals viel Widerspruch, vor allem angesichts von Gewalttaten und Verbrechen- und sind Zündstoff für Diskussion! Dennoch überzeugen mich diese Grundannahmen seit Jahren immer wieder neu. Nicht zuletzt hat sich in den letzten Jahrzehnten in der Mediation, die ja auf GFK beruht, ein Weg gezeigt, wie auch schwierige und hochexplosive Konflikte friedlich von den Beteiligten selber gelöst werden können - und das sogar auch in politischen Konflikten zwischen Nationen.

 

Welche Erfahrungen hast Du mit GFK, sowohl privat, als auch beruflich machen können?

In meinem Beruf habe ich viel mit Jugendlichen zu tun, die massive Schwierigkeiten in der Schule haben, weil sie sich zu wenig "anpassen", als "respektlos" und grenzüberschreitend beschrieben werden, zu wenig "Arbeitsbereitschaft" zeigen etc. Mit Hilfe der inneren Grundhaltung der GFK, die eine Wertschätzung meines gegenüber impliziert, gelingt es immer, in positiven Kontakt zum anderen zu kommen, weil mein Gegenüber diese Wertschätzung und den Respekt mitbekommt und mir dann auch anders entgegen treten kann. Aber auch in vielen Alltagssituationen ist GFK hilfreich: Wenn es um Gruppenscheidungen geht, oder auch wenn Konflikte gelöst werden müssen. Natürlich ist GFK auch für die Zusammenarbeit mit den Kollegen relevant. Mit GFK können die Bedürfnisse erfasst werden, die die Beteiligten haben und Wege gefunden werden, wie diese möglichst gut erfüllt werden können.

 

 

Inwiefern können die Prinzipien der GFK auch für Lehrer an allgemeinbildenden Schulen hilfreich sein?

Im konkreten Schulalltag hilft GFK, Konflikte zu lösen und zwar sowohl Konflikte innerhalb einer Schulgruppe als auch Konflikte, die ich als Lehrer mit einzelnen Schülern habe. GfK kann auch dazu verhelfen, mir meiner Rolle als Autoritätsperson im hierarchisch strukturierten System Schule bewusst zu werden: wie will ich diese Rolle nutzen? Welche Bedürfnisse erfülle ich mir mit meinem beruflichen Tun? Welchen Weg will ich gehen, um diese zu erfüllen? Wie will ich mich im Verhältnis zu den Schülern sehen? Zur Beantwortung dieser Fragen kann GFK hilfreich sein. Und schließlich - und das finde ich sehr erfreulich- ist es ja mittlerweile an vielen Schulen alltäglich geworden, Schüler zu Streitschlichtern auszubilden, die ja genau mit dieser Methodik arbeiten. Es freut mich zu sehen, dass damit auch die Schülerin und Schüler mit diesem Weg zur Verständigung und Konfliktlösung vertraut werde, und lernen, den anderen in ihrer Eigenverantwortung zu unterstützen.

 

Vielen Dank für das Interview!

Shakespeare im Englischunterricht – ist das zeitgemäß?Kommentare: 0
Ein Beitrag von: Ella Albers • Erschienen am: 24.03.2014

To be or not to be, that is the question*. Oder anders gefragt: Gehört Shakespeare in die Lehrpläne des Gymnasiums? Viele haben sich während ihrer Schulzeit mit Shakespeares Dramen auseinandergesetzt. Oft wird diese Lektüre von Schülern (und Lehrern) als mühsamer Kampf gegen die frühneuenglische Sprache empfunden. Dennoch ist Shakespeare in den meisten Bundesländern in den Lehrplänen der gymnasialen Oberstufe fest verankert.

 

 

 

Es gibt kaum Themen, die in der Englischdidaktik so umstritten sind wie Shakespeare. Sind seine Dramen veraltet, für Schüler kaum zugänglich, sondern im Gegenteil - eher abschreckend? Oder ist Shakespeare ein elementarer Teil kultureller und literarischer Bildung, den zu vermitteln Schulen verpflichtet sind?

 

 

 

Zur Erörterung dieses Themas lohnt sich ein Blick auf die Frage, was Englischunterricht heutzutage überhaupt leisten will. Die Bildungsstandards für Englisch im Gymnasium geben darüber Aufschluss. Zuerst einmal intendiert der Englischunterricht die Beherrschung der englischen Sprache. Es geht darum, dass die Schüler sprachlich-kommunikative Kompetenzen entwickeln. Außerdem sollen die Schüler den Umgang mit Medien, sowie Präsentations- und Arbeitstechniken erlernen. Darüber hinaus sollen die Schüler kulturelle Kompetenzen erlangen. Neben dem Erwerb landeskundlichen Wissens geht es hierbei um den Ausbau interkultureller Kompetenzen. Zu guter Letzt will der Englischunterricht zum Umgang mit Texten - unter anderem mit authentischer, angemessener Lektüre - befähigen. An der Schnittstelle von Literaturdidaktik und Kulturdidaktik ist Shakespeare im Englischunterricht anzusiedeln. Zum einen geht es bei der Behandlung seiner Dramen um den Umgang mit kulturellem Gut, zum anderen um die Arbeit am literarischen Text und dem Kennenlernen der Gattung Drama. In der aktuellen Diskussion scheint die Lektüre Shakespeares im Unterricht in einer Spannung zwischen einer herausragenden kulturell-literarischen Relevanz und der maßlosen Überforderung von Schülern zu stehen.

 

 

 

In den Werken Shakespeares begegnet den Lesern und Hörern eine künstlerisch-ausgeschmückte Sprache, die sich sehr von dem modernem Englisch unterscheidet. Die Grammatik und das Vokabular der Texte sind den Schülern fremd. Es ist die Sprache speziell des Theaters Shakespeares des 16. und des frühen 17. Jahrhunderts, die in den Dramen Verwendung findet. Selbst für Muttersprachler ist sie daher nicht leicht verständlich. Aus diesem Grund ist es für Lehrer bei der Behandlung Shakespeares im Unterricht besonders wichtig, dass sie Methoden wählen, die den Schülern einen Zugang zu dem Werk und der Sprache ermöglichen. Unterricht komplexer Literatur ist häufig stark gelenkt, um zu verhindern, dass die Schüler auf dem Weg verloren gehen.

 

 

 

Immer häufiger wird im Englischunterricht auf sogenannte Easy Readers zurückgegriffen. Hierbei handelt es sich um fremdsprachige Bücher, die komplizierte Lektüren vereinfachen. Die Sprache wird an das Niveau der Schüler angepasst, wobei der Charakter des Originals beibehalten werden soll. Darüber hinaus wird mit Erklärungen und Vokabelangaben in Fußnoten gearbeitet. So soll die Gefahr der Überforderung umgangen, den Schülern aber dennoch ein Zugang zu zentraler Literatur geboten werden.

 

 

 

Egal ob Originaltexte oder Easy Readers verwendet werden: Wichtig ist, dass der Literaturunterricht an der Schülergruppe orientiert ist. Er muss die sprachlichen Kompetenzen, das kulturelle Wissen, die literaturwissenschaftlichen Fähigkeiten und die Interessen der Schüler berücksichtigen und an diesen anknüpfen.

 

 

 

 

* Shakespare, William. Hamlet, 3. Aufzug, 1. Szene.

G9, G8, G9 – das ewige Hin und Her im SchulsystemKommentare: 0
Ein Beitrag von: Ella Albers • Erschienen am: 22.03.2014

Im Laufe der letzten Jahre wurde eine Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur fast bundesweit durchgesetzt. Das Gymnasium dauert nun statt dreizehn nur noch 12 Jahre. Wirklich zufrieden mit der Reform ist allerdings kaum jemand. Als erstes Bundesland rudert Niedersachsen zurück und plant zum Schuljahr 2015/16 das G9 wieder flächendeckend einzuführen.

 

 

 

Seit 2012 gibt es in fast allen Bundesländern das so genannte Turbo-Abi. Lediglich in Rheinland-Pfalz wurde die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre bloß als Modellversuch an 19 Ganztagsschulen umgesetzt. Begründet wurde die große Schulreform damit, dass die Schulzeit bis zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife in den meisten Ländern kürzer sei und junge Erwachsene dort somit früher ins Berufsleben starten können als in Deutschland. Deutsche seien dadurch im Nachteil. Darüber hinaus wurde die starke demographische Alterung in Deutschland als Argument für die Verkürzung der Schulzeit angeführt. So soll die Zeit, die ein Deutscher im Berufsleben verbringt, nicht nur durch einen späteren Renteneintritt, sondern auch durch einen früheren Einstieg in den Beruf erhöht werden.

 

 

 

Durch das G8, so sagt man, wurde der Lehrplan straffer, Kinder und Jugendliche haben weniger Freizeit, Minderjährige stürmen die Universitäten, alle sind gestresster. Da der Missmut gegenüber dem achtjährigen Gymnasiums steigt, ist es inzwischen in einigen Bundesländern - etwa in Hessen und Schleswig-Holstein -den Schulen freigestellt, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahren anbieten. Auch in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfahlen laufen Versuche, wieder auf das G9 umzusteigen. Ab dem Schuljahr 2015/16 plant das Land Niedersachsen flächendeckend die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Allerdings soll für besonders begabte Schüler weiterhin die Chance bestehen, das Abitur nach zwölf Jahren zu absolvieren. Diesen Schülern soll der direkte Übertritt von den zehnten in die zwölfte Klasse ermöglicht werden. Genauere Pläne zum Ablauf dieses Verfahrens liegen allerdings noch nicht vor.

School Shooting: Wissenschaftlich fundierte PräventionKommentare: 0
Ein Beitrag von: Junia Hergarten • Erschienen am: 18.03.2014

Nach so genannten Amokläufen an Schulen häufen sich Berichte und Überlegungen über die Ursachen solcher Taten. Was man oft nicht mitbekommt, ist die Arbeit von Wissenschaftlern, die sich systematisch mit den Tathergängen von School Shootings auseinandersetzen, versuchen die Frage nach dem Warum zu beantworten und Präventionsstrategien für Schüler und Lehrer zu entwickeln.

 

Das Projekt TARGET (Engl. Ziel) ist an dieser Stelle zu nennen. Dieses Akronym steht für "Tat- und Fallanalysen hochexpressiver und zielgerichteter Gewalt". Es handelt sich um ein Projekt eines Forschungsverbundes verschiedener Hochschulen, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Jeder Fall hochexpressiver, zielgerichteter Gewalt durch einen Jugendlichen in Deutschland wird dabei mit dem Ziel untersucht, eine Systematik dahinter zu erkennen und vor allem den Entwicklungsprozess hin zu einer solchen Tat beschreiben zu können. Das Projekt stellt somit die wissenschaftliche Basis für eine praktische Präventionsarbeit an Schulen dar.

 

TARGET stützt sich auf das Network Against School Shooting (NETWASS) der Freien Universität in Berlin. Diesem geht es um die Entwicklung eines schulischen Krisenpräventionsprogrammes. Das Programm wurde an zahlreichen deutschen Schulen durchgeführt und evaluiert. Es geht unter anderem um den Umgang mit Tatandrohungen, aber auch um die Sensibilisierung für problematische Schülerentwicklungen. Ein zentrales praktisches Ziel des Projektes ist die Bildung von so genannten Krisenpräventionsteams an den teilnehmenden Schulen, die sich aus Schulleitung, Lehrern, Schulpsychologen etc. zusammensetzen. Dieses Team hat zum Beispiel die Aufgabe, bei Beobachtungen auffälligen Schülerverhaltens alle Informationen einzuholen und den Schüler genauer kennenzulernen und zu beobachten.

 

TARGET und NETWASS zeigen, dass das Thema auch jenseits von Talkshows und Brennpunkten existiert und auf wissenschaftlicher Basis untersucht wird. Das Ziel ist es, den Schulen mehr Sicherheit im Umgang mit School Shootings zu geben und die Frage nach dem Warum weiter aufzuklären.

 

Wichtige Links:

https://www.target-projekt.de

http://www.ewi-psy.fu-berlin.de

 

 

 

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